Christine Berndt
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Zwei Schienen
2012

Im Dritten Reich befand sich in der Nähe des U-Bahnhofs Gleisdreieck die Schaltzentrale nationalsozialistischer Repressions- und Verbrechenspolitik. Vom Anhalter Bahnhof reiste man nach Wien, Rom und Athen und zugleich wurden von hier aus tausende von Menschen jüdischer Herkunft in das Transitlager Theresienstadt und die osteuropäischen Vernichtungsstätten deportiert.

Die Arbeit zwei Schienen reagiert auf diese Ambivalenz mit einer Textarbeit von Worten in Frakturschrift (die im Nationalsozialismus zeitweilig zur deutschen Schrift deklariert wurde) und Antiquaschrift, auf einem zehn Meter langen stillgelegten Gleisabschnitt. Die aus literarischen Quellen stammenden Worte werden versetzt auf die Gleise appliziert, so dass der Leser/Betrachter die Textzeilen erst dann zusammensetzen kann, wenn er mit dem Auge von Gleis zu Gleis springt. An einigen Stellen verschwinden die Worte unter der überwuchernden Vegetation, an anderen sind sie frei zu lesen. Das Verschwinden und Wiederauftauchen der Worte thematisiert das Erinnern als Unschärfe.